JÜLICH - 05.11.2019

Lisa Müller - Abenteuer SÜDAFRIKA

Im März 1991 gründeten 20 junge Leute im Jülicher Kaiserhof unter dem Leitgedanken der Völkerverständigung und der Toleranz über Grenzen hinweg das „Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk“ (DSJW). Seitdem wurden viele hundert junge Menschen bundesweit in die unterschiedlichen Programme des Jugendwerks vermittelt. Das DSJW ist in den 29 Jahren seines Bestehens zum erfolgreichsten Spezialisten als NGO auf diesem Gebiet aufgestiegen. Mit Lisa Müller erlebte nun erstmals eine junge Frau aus Jülich Land und Leute am südlichen Zipfel des geheimnisvollen Kontinents Afrika im Rahmen des Austauschprogramms „Live and Learn“ hautnah.

Wie es zu dem drei Monate dauernden Aufenthalt kam, welche Eindrücke am intensivsten waren und welche nachhaltigen Auswirkungen das Abenteuer Südafrika auf ihre Zukunft hat, erzählt die sympathische Studentin der Sonderpädagogik im Gespräch. Mit dabei im elterlichen Wohnhaus in der Artilleriestraße Michael Lingnau, Mitbegründer des DSJW und Vorsitzender seit der ersten Stunde. Als die Entscheidung für ein das Studium begleitende Praktikum anstand, war für Lisa Müller gleich klar, dass die Teilnahme am DSJW-Programm optimal passen würde. In Folge der langjährigen Freundschaft ihrer Familie zu den Lingnaus waren ihr die Voraussetzungen bekannt, die die Bewerber aus ganz Deutschland zu erfüllen haben. In dieser Richtung gab es keinerlei Probleme und so konnten die Reise im Juli beginnen.

Lisa Müller und Michael LingnauLisa MÜLLER und der DSJW-Vorsitzende Michael LINGNAU


„Da hat es mich schon erschlagen“, schildert Lisa die Eindrücke, die während der vierstündigen Busfahrt zum Zielort Swartruggens nach der Ankunft auf dem Flughafen in Johannesburg auf sie einwirkten. Man spürt ihre ehrliche Betroffenheit, als sie ergänzt, dass sie beim Anblick des ganzen Elends in den Townships „ein schlechtes Gewissen, wie es uns so gut gehen könne“ bekam.
  „Gemeinsam mit Janne, Marleen und drei Katzen leben wir hier in Swartruggens in einem großen Haus mit allem Nötigen, was man so zum Leben braucht“, schreibt Lisa in ihrem Blog. „Was man so braucht“ bedeutet hier beispielsweise, dass man froh ist, für die Nacht bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt ohne Heizmöglichkeiten genügend Decken zu haben. In der Küche sind zwei Herdplatten, ein Kühlschrank, ein Spülbecken und eine Mikrowelle bereits eine luxuriöse Ausstattung. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen rundherum umzäunt. „Wir sind uns der Situation durchaus sehr bewusst gewesen“, erzählt Lisa und ergänzt, „Gegen 18 Uhr wurde es dunkel, da sind wir nicht mehr raus gegangen.“ Hier greift Michael Lingnau ein und verdeutlicht die immer noch gefährliche Situation für Besucher, wenn man die offiziellen Pfade verlässt: „Um Gefahren vorzubeugen, werden unsere Freiwilligen und Praktikanten vorab gründlich gebrieft.“

Lisa Müller erzählt weiter von den Projekten vor Ort, bei denen ihre Hauptaufgabe, die „unglaublich viel Spaß“ machte, die Betreuung von Kindern war. Voller Empathie erinnert sie sich daran, wie die Kleinen Drachen und Spielautos gebastelt haben – alles aus Dingen, die sie im Müll gefunden haben. „Wir hatten so wenig zur Verfügung, aber mit kleinen Geschenktüten haben wir den Kindern bei einer Feier am Mandela-Tag ein Riesenlächeln ins Gesicht zaubern können.“ Die junge Frau wird nachdenklich, fast ein wenig traurig, ihr kommt der krasse Gegensatz unserer „so Konsum orientierten Gesellschaft“ zu dem „selbstlosen Überleben in der Gemeinschaft“ in den Sinn. Was machen diese Erfahrungen gefühlsmäßig mit einem? „Das kann man nicht beschreiben“, antwortet Lisa Müller ganz spontan, „aber mir ist überdeutlich bewusst geworden, wie dankbar ich sein darf, so privilegiert aufgewachsen zu sein“ - verbunden mit einem Dank an ihre Eltern. Sie hat die Kinder im Township in ihr Herz geschlossen, würde sofort wieder nach Swartruggens fahren. Dorthin, wo jeder versuche, dem anderen zu helfen, selbst wenn er selbst nichts hat. „Wer einmal in Südafrika war, den wird das Land nicht mehr los lassen“, schwärmt Lisa Müller.

Das DSJW bietet folgende Programme an
Classic-Programm“ – Individueller Freiwilligendienst
Weltwärts“ – Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst 
IJFD“ – Internationaler Jugendfreiwilligendienst.
Weiterführende Informationen zu den Programmen und der Arbeit des DSJW auf www.dsjw.de
Kontakt: info@dsjw.de oder per Telefon 02224 9874010